26.07 - 31.07.2016

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Es schlägt die Stunde auf die wir drei Jahre lang gewartet haben.

2016-07-26 / Wydarzenia Centralne


Weltjugendtag, Eröffnungsmesse 26.7.2016

Lesungen: Jes 52,7-10, Röm 8,31-35.37-39; Joh 21,15-17

 

            Einführung

Liebe junge Freunde!

Es schlägt die Stunde auf die wir drei Jahre lang gewartet haben.

Wir warten seit dem Tag an dem Papst Franziskus in Rio de Janeiro verkündet hat, dass der nächste Weltjugendtag in Polen stattfinden wird – in Krakau.

Die an der Marienkathedrale angebrachte Uhr im historischen Herzen Krakaus hat die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden gezählt, die uns von dem Moment trennten, den wir gerade erleben.

Aber eine wichtigere Uhr, die unsere Gedanken und Gefühle in unserem Herzen registriert hat, bereitete uns geistig auf das heute beginnende Treffen der jugendlichen Jünger des Meister aus Nazareth vor.

Ihr seid aus allen Kontinenten und Völkern, von West und Ost, vom Norden und vom Süden unseres Globus gekommen. Ihr bringt viele Erfahrungen mit euch. Ihr tragt in Euch viele Wünsche. Ihr sprecht viele Sprachen. Aber von heute an werden wir alle in der Sprache des Evangeliums sprechen. Das ist die Sprache der Liebe. Das ist die Sprache der Brüderlichkeit, Solidarität und des Friedens.

Ich grüße Euch alle sehr herzlich in der Stadt Karol Wojtyłas – des Heiligen Johannes Pauls II.

Er ist in dieser Stadt zum Dienst in der Kirche gereift und von hier aus in die Welt hinausgegangen, um das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Ich grüße Euch in der Stadt, in der wir auf besondere Art und Weise das Geheimnis und Geschenk der Barmherzigkeit Gottes erleben.

Cari amici – benvenuti a Cracovia!

Dear friends – welcome to Cracow!

Chers amis – bienvenus à Cracovie!

Liebe Freunde – herzlich willkommen in Krakau!

Queridos amigos – bienvenidos a Cracovia!

Queridos amigos - Bem-vindos à Cracóvia!

Дорогие Друзья! Добро пожаловать в Краков!

Дорогі друзі, вітаємо у Кракові!

Drodzy Przyjaciele – witajcie w Krakowie!

Schwestern und Brüder, öffnen wir unsere Herzen, um das Wort Gottes und das Geschenk des Evangeliums zu empfangen. Möge mitten unter uns der gekreuzigte und wiederauferstandene Herr, der Erlöser der Welt, sein. Vertrauen wir ihm alle unsere Gedanken und Gefühle, Hoffnungen und Erwartungen an, die wir mit dem nun beginnenden Fest des Glaubens der jungen Kirche verbinden.

Da wir uns alle unserer Untreue und Sünden bewusst sind, bitten wir Gott nun um Verzeihung, damit wir gemeinsam und mit reinem Herzen am Heiligen Messopfer teilnehmen können.

Homilie

Liebe Freunde!

1. Während wir den Dialog zwischen dem auferstandenen Jesus und Simon Petrus am Ufer des Sees Genezareth hören – die dreifache Frage nach der Liebe und die darauffolgenden Antworten – erinnern wir uns an den Lebenslauf des galiläischen Fischers, der diesem entscheidendem Gespräch vorausgegangen ist. Wir wissen, dass er an einem bestimmten Tag alles zurückgelassen hat – seine Familie, sein Boot und seine Netze – und einem ungewöhnlichen Lehrer aus Nazareth gefolgt ist. Er wurde sein Jünger. Von ihm hat er gelernt, wie er auf göttliche und menschliche Angelegenheiten blicken soll. Er hat sein Leiden und Sterben miterlebt, genauso wie Momente der Schwäche und des Verrats. Danach erlebte er verbunden mit dem auferstandenen Jesus, der sich seinen engsten Jüngern vor seiner Himmelfahrt zeigte, Verwunderung und Freude.

Wir kennen auch den weiteren Verlauf des Gesprächs – um genau zu sein, die Prüfung der Liebe – über die das heutige Evangelium spricht. Simon Petrus, gestärkt durch den Heiligen Geist, wurde zu einem mutigen Zeugen Jesu Christi. Er wurde zum Felsen der gerade entstehenden Kirche. Für all dies zahlte er in der Hauptstadt des Römischen Imperiums, wie sein Meister ans Kreuz genagelt, mit dem Leben. Das vergossene Blut Petri wurde zur Saat für den Glauben und das Wachstum der weltumfassenden Kirche.

Heute redet Jesus mit uns am Ufer der Weichsel in Krakau, die durch ganz Polen fließt, von den Bergen zum Meer. Die Erfahrung Petri kann auch unsere Erfahrung werden und uns zum Nachdenken anregen.

Stellen wir uns drei Fragen und suchen nach Antworten. Erstens fragen wir uns: Von wo kommen wir zu diesem Treffen? Zweitens: Wo sind wir in diesem Moment unseres Lebens? Drittens: Wohin gehen wir weiter und was nehmen wir von hier mit?

2. Woher kommen wir? Wir kommen „aus allen Völkern unter dem Himmel“ (Apg 2,5), so wie die massenhaft versammelten Neuankömmlinge am Pfingsttag in Jerusalem, allerdings sind wir unvergleichbar mehr als damals vor zweitausend Jahren, denn hinter uns liegen Jahrhunderte der Evangelisierung, die bis an die Enden der Welt gelangt sind. Wir bringen den Reichtum unserer Kulturen, Traditionen und Sprachen mit. Wir bringen die Erfahrungen unserer lokalen Kirchen. Wir bringen die Glaubenszeugnisse und Heiligkeit vergangener und heutiger Generationen unserer Brüder und Schwestern, Jüngerinnen und Jünger des auferstandenen Herrn mit.

Wir kommen aus Weltgegenden, in denen Menschen in Frieden leben, wo Familien Gemeinschaften der Liebe und des Lebens sind und wo sie ihre Träume realisieren können. Aber es sind auch Jugendliche unter uns, in deren Ländern Menschen aufgrund von Konflikten und Kriegen leiden, in denen Kinder vor Hunger sterben und in denen Christen schrecklich verfolgt werden. Es sind unter uns Jugendliche aus Gegenden, wo die Gewalt ihre Stimme erhebt, blinder Terrorismus herrscht, wo die Herrschenden ihre Macht über die Menschen missbrauchen und sich dabei an irren Ideologien orientieren.

In diesen Tagen begegnen wir Jesus mit unseren ganz individuellen Erfahrungen beim Leben des Evangeliums in unserer nicht ganz einfachen Welt. Wir bringen unsere Ängste und Enttäuschungen, aber auch unsere Hoffnungen und Sehnsüchte, unser Bedürfnis eines Lebens in einer menschlicheren Welt, einer brüderlicheren und solidarischeren Welt. Wir sind uns über unsere Schwächen im Klaren, aber wir glauben, dass wir „alles vermögen durch ihn, der uns Kraft gibt.“ (vgl. Phil 4, 13). Wir können den heutigen Herausforderungen die Stirn bieten, in denen der Mensch zwischen Glauben und Unglauben wählt, zwischen Gut und Böse, zwischen der Liebe und ihrem Gegenteil.

3. Wo sind wir heute, an welchem Ort und in welchem Moment unseres Lebens? Wir kommen von nah und fern. Viele von Euch haben tausende Kilometer zurückgelegt und viel in diese Reise investiert, um heute hier zu sein. Wir sind in Krakau, der ehemaligen Hauptstadt Polens, wo vor 1050 Jahren das Licht des Glaubens erleuchtet ist. Die Geschichte Polens war nicht einfach, aber wir haben uns stets darum bemüht, Gott und dem Evangelium treu zu bleiben.

Wir alle sind heute hier, weil Jesus Christus uns versammelt hat. Er ist das Licht der Welt. Wer Ihm folgt, wird nicht im Dunkeln herumirren (vgl. Joh 8, 12). Er ist der Weg, das Licht und das Leben (vgl. Joh 14, 6). Er hat Worte des ewigen Lebens. Zu wem sollen wir sonst gehen? (vgl. Joh 6, 68). Nur Er – Jesus Christus – ist dazu imstande die tiefsten Wünsche des menschlichen Herzens zu erfüllen. Er war es, der uns hierher geführt hat. Er ist mitten unter uns. Er begleitet uns wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Vertrauen wir Ihm in diesen Tagen unsere Angelegenheiten, Ängste und Hoffnungen an. Er wird uns in diesen Tagen nach Liebe fragen, so wie Er auch Simon Petrus gefragt hat. Weichen wir der Antwort auf diese Frage nicht aus.

Wenn wir uns mit Jesus treffen, erleben wir gleichzeitig, dass wir alle eine große Gemeinschaft der Kirche bilden, die Grenzen überwindet, die von Menschen gezogen worden ist und die Menschen teilt. Wir alle sind Kinder Gottes, erlöst durch das Blut Seines Sohnes, Jesus Christus. Die Erfahrung der allgemeinen Kirche ist ein wunderbares Weltjugendtagserlebnis. Von uns, von unserem Glauben und unserer Heiligkeit hängt das Angesicht der Kirche ab. Von uns hängt es ab, ob Er mit dem Evangelium diejenigen erreicht, die Christus noch nicht kennen, bzw. Ihn noch nicht in ausreichendem Maße kennen.

Morgen wird der Petrus unserer Tage ankommen – der Heilige Vater Franziskus. Übermorgen werden wir ihn schon an dem gleichen Ort begrüßen. In den nächsten Tagen werden wir seine Worte hören und zusammen mit ihm beten. Die Anwesenheit des Papstes beim Weltjugendtag ist ebenfalls ein schönes und charakteristisches Merkmal dieses Fest des Glaubens.

4. Und letztlich die dritte und letzte Frage: Wohin streben wir und was nehmen wir von hier mit? Unser Treffen dauert nur einige Tage. Dies wird eine intensive, geistige Erfahrung, die auch etwas von uns abverlangen wird. Anschließend kehren wir zu unseren Häusern, zu unseren Nächsten, zur Schule, zur Hochschule und an die Arbeitsplätze zurück. Vielleicht nehmen wir uns in diesen Tagen wichtige Vorsätze vor? Vielleicht nehmen wir uns neue Ziele im Leben vor? Vielleicht hören wir die deutliche Stimme Jesu, alles stehen zu lassen und Ihm zu folgen?

Womit kehren wir zurück? Wir sollten die Antwort auf diese Frage besser nicht vorweg nehmen. Aber wir sollten eine Herausforderung annehmen. Teilen wir in diesen Tagen miteinander das, was für uns am wertvollsten ist. Teilen wir miteinander unseren Glauben, unsere Erfahrungen, unsere Hoffnungen.

Liebe jungen Freunde, formt in diesen Tagen Eure Gedanken und Herzen. Hört die von den Bischöfen verkündeten Katechesen. Hört auf Papst Franziskus Stimme. Nehmt voller Ergriffenheit an der Heiligen Liturgie teil. Erfahrt die barmherzige Liebe des Herrn im Sakrament der Versöhnung. Lernt auch die Gotteshäuser Krakaus kennen, den Reichtum der Kultur dieser Stadt, aber auch die Gastfreundschaft seiner Einwohner und seiner Nachbarorte, wo wir am Ende eines anstrengenden Tages Erholung finden können.

Krakau lebt das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes, auch dank der demütigen Schwester Faustyna und dank Johannes Paul II., welche die Kirche für die spezielle Eigenschaft Gottes sensibilisiert haben. Wenn Ihr in eure Länder, Häuser und Gemeinschaften zurückkehrt, tragt den Funken der Barmherzigkeit und erinnert euch daran: „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.“ (Mt 5, 7). Bringt anderen die Flamme eures Glaubens, und entzündet mit ihr auch andere Flammen, damit die Herzen der Menschen im Rhythmus mit dem Herzen Christi schlagen und so ein „glühendes Lagerfeuer der Liebe“ bilden. Möge die Flamme der Liebe unsere Welt ergreifen, sodass es in ihr nicht mehr so viel Egoismus, Gewalt und Ungerechtigkeit geben möge, sodass auf unserer Erde die Zivilisation der Güte, Versöhnung, Liebe und des Friedens gestärkt werde.

Der Prophet Jesaja erzählt uns heute von den „Schritten des Freudenboten, der Frieden ankündigt“ (Jes 52, 7). Ein solcher Bote war Johannes Paul II, der Initiator des Weltjugendtages, ein Freund der Jugendlichen und Familien. Seid auch ihr solche Boten. Tragt die frohe Botschaft von Jesus Christus in die Welt. Gebt Zeugnis darüber, dass es sich lohnt und es notwendig ist, Ihm unser Schicksal anzuvertrauen. Öffnet Christus sperrangelweit die Türen Eurer Herzen. Verkündet wie der Apostel Paulus voller Überzeugung: „Weder Tod noch Leben, (...) noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8, 38-39).

Amen!

Kardinal Stanisław Dziwisz

Erzbischof und Metropolit von Krakau

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